Der Volvo XC60 ist für Volvo nicht irgendein Modell. Es ist der Bestseller im Modellprogramm. Nun gibt es das Modell auch als stylischen Stromer EX60.
Der Blick auf die Zulassungszahlen spricht eine klare Sprache. Der Volvo XC60 ist das erfolgreichste Modell des schwedischen Autobauers. Im ersten Halbjahr dieses Jahres entfielen auf das Premium-SUV 10.518 Zulassungen. Damit entfielen auf den XC60 allein 40 Prozent aller Volvo-Zulassungen. Mit weitem Abstand folgte der XC40 mit einem Anteil von 22,8 Prozent (5999 Zulassungen) vor dem EX30 mit 10,1 Prozent (2641).
Nun folgt wie bereits beim XC90 die rein elektrische Variante. Der Nomenklatur der Schweden folgend läuft das Modell unter der Bezeichnung EX60. Wie bereits beim XC90 wird auch der XC60 weiterhin als elektrifizierter Verbrenner angeboten. Der Hersteller, der eigentlich ab 2030 nur noch rein elektrische Modelle anbieten wollte, hat sich wie andere Autobauer von diesem selbst gesteckten Ziel verabschiedet. Man habe sich damit dem Kaufverhalten der Kundinnen und Kunden angepasst, sagt Herrik van der Gaag, der die Geschäfte für Central Europe verantwortet, darunter auch Deutschland.
Elektroangebot im wichtigen D-Segment
Mit dem EX60 kann man seiner Kundschaft auch ein Angebot im wichtigen D-Segment machen, das insbesondere auch für Gewerbekunden wichtig ist. Mit dem neuen EX60 jedenfalls will Volvo auch beim Absatz zulegen, der nach den ersten sechs Monaten des Jahres mit 26.278 Neuzulassungen um 17,6 Prozent im Minus liegt. Van der Gaag zeigt sich gelassen, er erwartet für das Restjahr deutliches Wachstum.
Damit auch der EX60 neben dem XC60 performt, haben die Schweden ihm eine eigene Elektro-Architektur (SPA III-Plattform) mit auf den Weg gegeben. Der EX60 ist damit nicht nur auf einer 800-Volt-Architektur unterwegs, sondern fährt auch als softwaredefiniertes Fahrzeug vor und ist, so wie man es von Volvo kennt, vollgestopft mit Sicherheitstechnik. Dass das alles seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Für den EX60 P6 Electric mit einer Leistung von 374 PS werden mindestens 62.990 Euro fällig. Wer den auch von uns gefahrenen P10 AWD Electric (510 PS) fahren will, der muss mindestens 65.990 Euro zahlen. Und wer sich für das Topmodell (P12 AWD Electric/680 PS) entscheidet, ist mit mindestens 71.990 Euro dabei.
Klares und gelungenes Design
Das sind selbstbewusste Preise, aber dafür wartet der Neue neben seiner Sicherheit (erstmals übrigens mit einem adaptiven Gurt mit Gurtkraftbegrenzern) auch mit einer klaren und schnörkellosen Designsprache auf. Vorn gibt es an den Scheinwerfern das Thors-Hammer-Design mit oben angebrachten Tagfahrleuchten und unten positioniertem Abblend- und Fernlicht. Auf ein derzeit immer häufiger zu sehendes Markenemblem hat man verzichtet. Am Heck gibt es die bekannten Rückleuchten. Seitlich fällt die abfallende Dachlinie samt den rahmenlosen Fenstern auf. Mit seinem Radstand von 2,97 Metern und seinen kurzen Überhängen liegt der EX60 optisch satt auf der Straße.
Klassische Türgriffe sucht man bei der Seitenansicht übrigens vergebens. Volvo setzt auf Türgriffe im so genannten Wing-Grip-Design, die oben auf der Fensterleiste angebracht sind und auf Knopfdruck die Türen elektrisch öffnen. Das ist zwar ungewohnt, funktioniert aber gut.
Viel Platz im Innenraum
Sind die Türen geöffnet, nimmt der Fahrer in einem optisch ansprechend gestalteten Innenraum Platz. Er schaut auf ein ausreichend großes, 11,4 Zoll messendes Fahrerdisplay und ein kleines Lenkrad. Im ersten Moment erscheint es doch arg klein geraten. Doch es ermöglicht eine gute Sicht aufs Cockpit – und liegt bei der Fahrt gut in der Hand. Ein Head-up-Display ist übrigens nicht im Angebot, wird von mir aber auch nicht vermisst, denn das Fahrerdisplay ist gut in der Sichtachse positioniert. Der 15-Zoll-Touchscreen ist querformatig positioniert und arbeitet Google-basiert. Als KI-Assistent setzen die Schweden auf Gemini.
Zwar geht Volvo wie beim EX30 den Weg, die Außenspiegel nur über den Touchscreen einzustellen, doch das erfolgt dank gut sichtbarer Icons auf dem Bildschirm dann doch leichter als gedacht. Wer sich übrigens den Verbrauch anzeigen lassen will, der kann dies nicht über das Lenkrad tun, sondern muss dafür wieder den Touchscreen nutzen, auf dem ein leider nicht sofort als solches zu erkennendes Icon für den Verbrauch angezeigt wird. Die Verbrauchsanzeige findet sich aber auch in den Tiefen des Menüs. Der Innenraum vermittelt mit der hellen Verkleidung und dem Glasdach Wohlfühlatmosphäre. Das trifft auch auf die Platzverhältnisse zu: Selbst Großgewachsene finden im Fond ausreichend Beinfreiheit vor – und selbst die Füße passen unter die Vordersitze. Im Kofferraum gibt es Platz für 523 bis 1647 Liter Gepäck. Zudem gibt es noch einen Frunk mit 58 Litern, beispielsweise für das Ladekabel.
Drei Batteriegrößen im Angebot
Für sein neues Modell hat Volvo drei Batteriegrößen im Angebot: 83, 95 und 117 kWh. Sie sorgen für Reichweiten von 611 Kilometern, 660 Kilometern und bis zu 810 Kilometern. Dank 800-Volt-Technik sind Ladeleistungen von 320 bis 370 kW möglich. Damit lässt sich der Akku von 10 auf 80 Prozent in 16 Minuten beziehungsweise in 19 Minuten bei der ganz großen Batterie aufladen. Dass sich der EX60 trotz der 2,4 Tonnen unseres Testwagens ausgesprochen agil bewegen lässt, zeigt sich bereits auf den ersten Kilometern unserer Fahrt rund um die Alster in Hamburg. Das Fahrwerk ist fein abgestimmt, setzt auf Komfort, ist aber auch für sportliche Fahrten gut abgestimmt. Bei unserem Testwagen kommen adaptive Dämpfer zum Einsatz, die die Fahrzeug-, Straßen- und Fahrerdaten 500 Mal pro Sekunde erfassen und die Stoßdämpfer auf die entsprechenden Fahrbedingungen einstellen.
Eine der ganz großen Stärken des 4,80 Meter langen EX60 ist die exzellente Geräuschdämmung, die ihn auch auf der Autobahn bei höherem Tempo zu einem angenehmen Begleiter macht. Und ja, man kann es in dem EX60 richtig flott zur Sache gehen lassen. In gerade einmal 4,6 Sekunden beschleunigt das Schwergewicht auf Tempo 100, das Ende ist bei 180 km/h erreicht. Auf dem Weg dorthin beeindruckt das SUV mit seiner Kraft beim Beschleunigen. Beim Kick-down wird man mit Vehemenz in die gut konturierten Sitze gedrückt, und der Allrad sorgt bei flotten Kurvenfahrten in Kombination mit dem langen Radstand für eine souveräne Straßenlage. Die Lenkung spricht direkt an und vermittelt einen guten Eindruck.
Wer meint, es in dem EX60 besonders sportlich angehen zu lassen, für den rückt der Verbrauch von 16,2 bis 19,2 kWh/100 km in weite Ferne. Wer zwar auch mal flotter unterwegs ist, aber sonst im Verkehr mitschwimmt, wird sich über die Effizienz freuen: Bei unseren Testfahrten zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 15,7 kWh/100 km an. Das ist für ein Auto mit dieser Leistung und diesem Gewicht ein exzellenter Wert. Der EX60 bringt alles mit, um gegen die Konkurrenz beispielsweise aus München mit dem iX3 bestehen zu können.


