Deutlich mehr Tote und Verletzte bei E-Scooter-Unfällen

Deutlich mehr Tote und Verletzte bei E-Scooter-Unfällen
Im vergangenen Jahr sind 38 Menschen bei Unfällen mit E-Scootern gestorben. © dpa

Rund 38 Prozent mehr E-Scooter-Unfälle mit Verletzten oder Toten gab es laut Statistik im vergangenen Jahr. Experten fordern Konsequenzen.

Die Zahl der schweren E-Scooter-Unfälle ist im vergangenen Jahr regelrecht nach oben geschnellt: Die Polizei registrierte etwa 38 Prozent mehr Unfälle mit verletzten oder getöteten Menschen als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Experten sprechen von alarmierenden Zahlen und fordern Konsequenzen. Insgesamt gab es 2025 etwa 16.500 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. 38 Menschen wurden dabei getötet, 2024 waren es noch 27 gewesen. 2025 wurden laut Statistikamt zudem etwa 1.900 Menschen schwer und rund 16.200 Menschen leicht verletzt. Der Trend zeigt deutlich nach oben, das Bundesamt registriert seit Jahren einen Anstieg der schweren E-Scooter-Unfälle. Hintergrund ist auch die zunehmende Verbreitung der Fahrzeuge seit ihrer Zulassung Mitte 2019.

 82,4 Prozent der Verunglückten waren der Statistik zufolge selbst mit einem E-Scooter unterwegs, darunter 33 der 38 Todesopfer. 5,5 Prozent der Verunglückten, die sich auf einem E-Scooter befanden, seien Mitfahrerinnen und Mitfahrer gewesen, darunter auch eines der 33 Todesopfer. Fahren zu zweit oder gar zu dritt auf einem E-Scooter ist nicht erlaubt, ist aber häufig im Straßenbild zu beobachten. Unter den fünf weiteren bei E-Scooter-Unfällen Getöteten waren drei Fußgänger, ein Fahrrad- und ein Autofahrer.

Besonders bei jungen Menschen beliebt

E-Scooter sind besonders bei jungen Menschen beliebt, was sich auch in den Unfallzahlen niederschlägt: 53,6 Prozent der im Jahr 2025 Verunglückten waren jünger als 25 Jahre. Das Mindestalter beträgt laut Gesetzgeber 14 Jahre, dennoch werden die Fahrzeuge häufig von noch Jüngeren benutzt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2025 in der Altersklasse null bis dreizehn Jahre insgesamt 874 verunglückte Kinder – also Tote und Verletzte. Unter den 874 waren demnach drei Tote. Die Polizei registriert nach Angaben des Bundesamts häufig gleich mehrfaches Fehlverhalten der E-Scooter-Fahrenden: in 21,6 Prozent der Fälle falsche Benutzung der Fahrbahn oder der Gehwege, in 10,9 Prozent der Fälle war Alkohol im Spiel, in 8,4 Prozent nicht angepasste Geschwindigkeit, in 7,5 Prozent lagen Fehler beim Abbiegen vor, Wenden, Rückwärtsfahren oder Ein- und Anfahren.

Für Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung stehen vor allem Leihroller im Fokus. Unter anderem, weil damit unerfahrene Gelegenheitsnutzer unterwegs seien. Brockmann setzt sich in dem Zusammenhang dafür ein, dass E-Scooter mit größeren Rädern ausgestattet werden. Derzeit sei das Risiko für Stürze selbst an abgesenkten Bordsteinkanten sehr hoch. Auch Alkoholfahrten seien mit Leihrollern wahrscheinlicher. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert einen Befähigungsnachweis für alle Verkehrsteilnehmenden, die keinen Führerschein besitzen. Dies sieht auch Unfallforscher Brockmann als nötig an. Damit würde der Staat auch klarmachen, dass es sich um ein Kraftfahrzeug handele, für das Regeln gelten – und kein Spaßfahrzeug. Die jüngst von der Bundesregierung beschlossenen Änderungen, etwa die Blinkerpflicht, nennt er dagegen ein echtes Armutszeugnis. (dpa)

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